Wenn nicht sofort die richtige Diagnose in Erwägng gezogen wird, kommt es zu Umwegen. Und diese Umwege sind auch interessant:

 Eine 35-Jährige Patientin wird zu einer kernspintomographischen Untersuchung geschickt.

Kurzfassung des MR-Befundes (2017) mit ausgewählten Bildern:

Seit 3 bis 4 Monaten Halsschmerzen links, HNO-Spiegelbefund ohne pathologischen Befund.
Laut eigenen Aufzeichnungen Schmerzen und Ohrenschmerzen seit 5 Monaten, keine OP und kein Trauma erinnerlich.

 

Beurteilung:
Auffällige Veränderungen der Schilddrüse mit Flüssigkeitseinlagerungen und KM-Anreicherung insbesondere des linksseitigen Schilddrüsenlappens möglicherweise als Korrelat für eine Entzündungsreaktion. Herdbefund des rechten Schilddrüsenlappens mit inhomogener zum Teil kontrastmittelanreichernder Binnenstruktur. V.a. weitere Herdbefunde auch links.
Insgesamt weitere kurzfristige nuklearmedizinische Abklärung diesbezüglich empfohlen, entsprechend der Empfehlung unseres letzten nuklearmedizinischen Befundes vom Juni 2016 in der bereits eine erneute Kontrolle nach 6 Monaten angeraten war.

Das war die Sintigraphie 2016:

Der schwächer das Nuklid anreichernde Bezirke rechts unten entspicht im Sonogramm dem deutlich echoarmen Bezirk.

Die fleckige Mindereinlagerung links ist nur bedingt im Sonogramm zuzuordnen, sie passt aber zum MR-Befund.

 

 

Die Szintigraphie 2017:

Die jetzt veranlasste neue Szintigraphie zeigt im Unterschied zur Voruntersuchung eine verminderte Nuklideinlagerung links vorwiegend im mittleren und im oberen Drittel des linken Schilddrüsenlappens.

 

 

 

 

 Aussage-kräftiger sind aber die Sonographie-Bilder 2017:

 Die echoarme Zone rechts ist ähnlich zum Vorbefund, links ist jetzt aber eine unscharf abzugrenzende diffuse Echoarmut festzustellen.

Die endgültige Diagnode wird jetzt gestellt:

 In den Bereichen, die in der Kernspintomographie entzündliche Veränderungen zeigen und in denen in der aktuellen Szintigraphie eine verminderte Nuklideinlagerung zu erkennen ist, zeigt die Sonographie echoarme landkartenartig konfigurierte und unscharf von der Umgebung abgesetzte Gewebestrukturen. Insbesondere im Vergleich mit der Vor-Sonographie von 2016 ist der linke Lappen jetzt strukturell verändert. Er ist auch etwas dicker (geschwollen). Der teilweise cystische Knoten rechts ist unverändert. Es handelt sich aufgrund der vorliegenden Befunde um eine:

 subakute Thyreoiditis de Quervain.

 Der Umweg über die Kernspintomographie macht diesen Fall interessant. Allerdingins hätte man die Diagnose auch ohne diese Untersuchung stellen können.

 

Eine massiv erhöhte BSG, ein stark erhöhtes C-reaktives Protei bei normalen Leukozyten sollte bei heftigen Halsschmerzen an diese Diagnose denken lassen.